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Gerechtigkeit in der Markwirtschaft? (AK 5)

Kann es so etwas wie Gerechtigkeit in der Marktwirtschaft geben und wenn ja, wer bestimmt, was gerecht ist und wie wird die Gerechtigkeit durchgesetzt? Diesen Fragen widmeten sich beim Arbeitskreis der IV Wien Vertreter aus Wirtschaft, Banken, Wissenschaft und Politik unter der fachkundigen Moderation von Unternehmer und Buchautor Harald Mahrer.

Gerechtigkeit als Stabilisator

Einigkeit herrschte darüber, dass es zur Marktwirtschaft keine Alternative gibt. Richard Sturn, Leiter des Instituts für Finanzwissenschaft und Öffentliche Wirtschaft der Karl-Franzens-Universität in Graz, erläuterte in diesem Zusammenhang: „Effizienz und faire Verteilung sind die beiden Kehrseiten der Medaille nachhaltig erfolgreicher Marktwirtschaften. In diesem Zusammenhang muß die Sozialpolitik die Rolle eines Stabilisators einnehmen. Je wirksamer der Stabilisator ist, desto schneller können wir fahren, ohne einen Crash zu riskieren. Gerechtigkeit ist kein moralischer Luxus sondern essentiell für den Erfolg einer Marktwirtschaft."

„Gerechtigkeit ist dynamisch"

Die Marktwirtschaft und ebenso das Verständnis von Gerechtigkeit sind jedoch nicht statisch, sondern entwickeln sich laufend dynamisch weiter. Einer Meinung war das Podium, dass es daher Aufgabe der Politik sei, die notwendigen Regeln für dieses System ständig anzupassen und dabei Gerechtigkeit so gut wie möglich zu gewährleisten. Eine hundertprozentige Gewährleistung von Gerechtigkeit sei aber nicht möglich, da Gerechtigkeit etwas sehr subjektives sei.

Gerechtigkeit und Randgruppen

Uneinig waren sich die Diskutanten jedoch über den Grad der Regulierung, die seitens des Staates notwendig ist bzw. über die Frage, inwiefern die Marktwirtschaft in der Lage ist, aus sich heraus für Verteilungs- und auch Leitungsgerechtigkeit zu sorgen. Auf jeden Fall versage die Marktwirtschaft in dem Moment, wenn es um den Schutz sozialer Randgruppen gehe. Hier müsse der Staat „regulierend eingreifen", so Erwin Buchinger, Bundes-Behindertenanwalt und ehemaliger Bundesminister für Soziales.

Gerechtigkeit und das Individuum

Verantwortung trage zudem auch der Einzelne sich in seinem Umfeld zu engagieren und auch zu artikulieren. Als wichtiger Knackpunkt in Bezug auf die Möglichkeiten des Individuums wurde daher die Chancengleichheit bzw. der gleiche Zugang zu Bildung gesehen. „Die Menschen müssen viel mehr zur Selbstverantwortung erzogen werden. Damit wir das schaffen, muß es uns unter anderem gelingen, dass nur die Allerbesten unter uns Lehrer werden," betonte Karl Sevelda, Mitglied des Vorstandes der Raiffeisen Zentralbank, in diesem Zusammenhang und ergänzte, „dass wir heute in der Wirtschaft beispielsweise viel zu sehr von Ratingagenturen und Analysten getrieben werden".

„Umbruch wie 1968"

Als Gradmesser für Gerechtigkeit wurde seitens Hubert Rhomberg, Geschäftsführer der Rhomberg Gruppe, im Zuge der Diskussion „Zufriedenheit" identifiziert. Günter Thumser, Präsident von Henkel Central Eastern Europe, konstatierte dem System vor diesem Hintergrund keine gute Lage: „Jeder muß für sich etwas aus dem System herausholen können. Bevor etwas verteilt wird, muß es aber erst geschaffen werden. In Österreich werden jedoch diejenigen, die etwas schaffen, kaum honoriert." Zu allererst müsse aber natürlich die Chancengleichheit gewährleistet werden. „Es wird so etwas wie einen `68er-Umbruch geben müssen, denn derzeit bewegt sich nichts mehr in Österreich," so Thumsers abschließende Diagnose.

Bildunterschrift:  v.l.n.r.:

Hubert Rhomberg (Geschäftsführer der Rhomberg Gruppe), Erwin Buchinger (Bundes-Behindertenanwalt und ehemaliger Bundesminister für Soziales), Karl Sevelda (Mitglied des Vorstandes der Raiffeisen Zentralbank), Moderator Harald Mahrer (Unternehmer und Buchautor), Günter Thumser (Präsident von Henkel Central Eastern Europe), Richard Sturn (Leiter des Instituts für Finanzwissenschaft und Öffentliche Wirtschaft der Karl-Franzens-Universität in Graz)



Arbeitskreis 5
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