Vom Kinder- zum Bildungsgarten
Die Landespartei- und Klubobfrau der Wiener ÖVP, Christine Marek, möchte den Bildungsplan für Kindergärten massiv ausbauen, auch eine Ausweitung der Kindergartenpflicht kann sie sich vorstellen. Mit iv.positionen sprach sie außerdem über die Stadt der kurzen Wege und den Industriestandort Wien.Welchen Beitrag kann die Stadt Wien leisten, wenn es darum geht, die Bildung und Ausbildung unserer Kinder, allen voran im Bereich der Lesekompetenz, zu verbessern?
Gerade die Lesekompetenz hängt ganz ursächlich mit der Frage der kindlichen Frühförderung zusammen. In diesem Sinne ist es notwendig, den Kindergarten als erste Bildungseinrichtung zu begreifen - als echten Bildungsgarten. Dazu wäre es wichtig, den Bildungsplan für den Kindergarten massiv auszubauen, auch eine Ausweitung der Kindergartenpflicht ab dem 4. Lebensjahr wäre dabei durchaus denkbar. Darüber hinaus ist es dringend notwendig, genügend Ressourcen im Pflichtschulbereich gerade zur Vermittlung der Grundfertigkeiten zur Verfügung zu stellen. Einsparungen an Lehrerdienstposten, wie sie seitens der Stadt derzeit vorgenommen werden, lehnen wir ab.
Wie bewerten Sie das Modell der integrierten Stadtentwicklung - d. h. die Integration von Wohnen, Arbeiten und Freizeit in den Stadtentwicklungsgebieten?
Wir wollen ein auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger abgestimmtes Miteinander von Wohnungen und Gewerbeeinrichtungen, um damit für Wien die Stadt der kurzen Wege zu garantieren. Dies gilt selbstverständlich auch für Freizeiteinrichtungen. Hierfür muss bei der Erstellung der Flächenwidmungspläne gesorgt werden und im Dialog mit den Projektbetreibern sollen solche Vorgaben in der baulichen Umsetzung ihre Berücksichtigung finden. Diese Maxime muss in den Planungsprozessen der Stadtteilentwicklungsprojekte fixer Bestandteil sein und ihre Umsetzung muss durch eine ständige Evaluierung der Planungskonzepte garantiert sein.
Welche Maßnahmen sind von Seiten der Politik notwendig, damit Industrieunternehmen in Wien weiterhin innovative Leuchtturmprojekte umsetzen können? Wie muss hier die Rolle der Politik aussehen?
Die ÖVP Wien fordert eine Senkung der Abgabenlast, alle Landes- und Gemeindeabgaben sollen auf ihre Sinnhaftigkeit und ihre Effizienz überprüft werden. Zweitens brauchen wir Verwaltungsvereinfachungen, denn es ist nicht einzusehen, dass Betriebsgenehmigungsverfahren in Wien deutlich länger dauern als beispielsweise in Oberösterreich. Und wir fordern eine Neuausrichtung der Arbeitsmarktpolitik, konkret eine Beseitigung der Doppelgleisigkeiten zwischen dem AMS Wien und dem WAFF.
Welche Konzepte können aus Ihrer Sicht helfen, um Industriebetriebe weiterhin in der Stadt zu halten?
Wir müssen in beide Richtungen denken: Wie können wir einerseits Industriebetriebe am Standort halten, wie schaffen wir es aber andererseits, attraktiv für neue Betriebe zu werden? Eine zentrale Funktion kommt hier der Wirtschaftsagentur Wien zu, deren Performance wir sehr kritisch sehen, wird doch der überwiegende Teil der Ansiedelung in Wien von der „ABA-Invest in Austria" abgewickelt. Wir fordern eine Neuausrichtung, wobei die ECO Plus aus Niederösterreich als Best-Practice-Beispiel dienen könnte. Zusätzlich sollten die Wiener Betriebsansiedler als Servicestelle für Headquarters in der Region Mittel- und Osteuropa fungieren. <
Zur Person: Christine Marek
Die 43-jährige Wienerin war für das Technologieunternehmen Frequentis tätig, bevor sie im Jahr 2000 in die Politik wechselte. Sie begann als Kammerrätin und Vorstandsmitglied in der AK Wien. 2002 bis 2007 war Marek ÖVP-Abgeordnete zum Nationalrat, ehe sie als Staatssekretärin ins Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (später Wirtschaft, Jugend und Familie) berufen wurde. Seit 2009 ist sie Obfrau der ÖAAB-Frauen.


