STARTSEITE » MEDIEN » IV-News » Die Stadt als Motor des 21. Jahrhunderts!

 
06.06.2011

Die Stadt als Motor des 21. Jahrhunderts!

"Heute ist in Europa vielfach eine Rückkehr zur Stadt feststellbar", analysiert IV-Wien-Präsident Kapsch in seinem aktuellen Leitartikel.

Vor allem im 19. Jahrhundert übte die Großstadt als begehrter Wohn- und Arbeitsort eine starke Anziehungskraft auf die Menschen aus. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde allmählich eine gegenläufige Bewegung spürbar und urbane Regionen wurden eher als notwendiges Übel und weniger geschätztes Resultat des Gesellschafts- und Wirtschaftssystems gesehen. Heute ist jedoch in Europa vielfach eine Rückkehr zur Stadt feststellbar und so gewinnen Zentren urbaner Ballungsräume wieder stark an Attraktivität. Entscheidende Fragen unserer Gesellschaft werden daher in Zukunft noch stärker in den Metropolregionen entschieden. Die Großstädte Europas stehen daher vor neuen Chancen, die es unbedingt zu nutzen gilt.

 

In Wien ist vor dem Hintergrund dieser Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren bereits sehr viel passiert. Verschiedene Stadtregionen wurden erfolgreich belebt und Wien hat dadurch auch in Zukunft gute Chancen, seine weltweite Stellung als eine der lebenswertesten Städte zu verteidigen. Zudem gelang es auch, einige neue Wirtschaftssektoren in der Stadt zu etablieren, etwa den Bereich der Life Science. Jedoch steht Wien weiter in einem dynamischen internationalen Standortwettbewerb, der dazu führt, dass alle bisherigen Anstrengungen nicht ausreichen werden, wenn wir uns weiter als TOP-Standort etablieren wollen.

 

Daraus ergibt sich natürlich auch ein beträchtlicher Handlungsauftrag für Wien und insbesondere deren politische Entscheidungsträger. War unsere Stadt früher noch ein Aushängeschild im Bereich der Bildung, fällt sie, sowie Österreich insgesamt, in diesem Bereich dramatisch zurück. Wien muss daher wieder eine Bildungsmetropole werden, denn ohne die beste Bildung und Ausbildung für die Menschen werden wir künftig nicht jene Arbeitskräfte haben, die in der Wirtschaft und Industrie der Zukunft gebraucht werden - dies gilt insbesondere für technische und naturwissenschaftliche Berufe. Es wird aber nicht reichen, nur die bereits in Österreich lebenden Menschen bestens zu bilden und auszubilden, die weitere Entwicklung unserer Stadt wird künftig auch immer mehr davon abhängen, ob es uns gelingt, die besten Hände und Köpfe aus aller Welt nach Wien zu holen. Die Rot-Weiß-Rot Card ist in diesem Zusammenhang ein richtiger Schritt, der nun so rasch wie möglich und mit entsprechenden Begleitmaßnahmen (Stichwort „Österreich international vermarkten") umgesetzt werden muss.

 

Wien muss sich als Stadt der Zukunft jedoch auch noch stärker im Bereich der Forschung und Innovation engagieren. Dazu gehört - wie für alle österreichischen Bundesländer - insbesondere eine bessere Abstimmung mit dem Bund. Im nationalen Fokus sollte vor allem die Grundlagenforschung stehen, während die Aufgabe der Länder stärker im Bereich der anwendungsorientierten Forschung und in weiterer Folge in der Unterstützung der Umsetzung konkreter Innovationen liegen sollte.

 

Während also eine Renaissance der Stadt erkennbar ist, nimmt zugleich die Mobilität der Menschen permanent zu, als Konsequenz steigen die Anforderungen an unsere Mobilitätssysteme und die Infrastruktur insgesamt stetig an. Die Sicherstellung einer hochmodernen Verkehrsinfrastruktur sowie exzellente Intermodalität zwischen den einzelnen Verkehrsträgern werden in Zukunft eine entscheidende Rolle in den urbanen Regionen spielen.

 

Eine ebenso große Bedeutung für die Entwicklung der Großstadt im 21. Jahrhundert hat auch die zukünftige Ausrichtung der Stadtentwicklung - das Zukunftskonzept muss  „integrierte Stadtentwicklung" lauten! Dabei müssen wir uns die Frage stellen, welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit unterschiedliche Bereiche wie Wohnen, Arbeiten und Freizeit für die Stadtbewohner in das tägliche Leben integriert werden können und wie dadurch ein möglichst hohes Maß an Lebensqualität erreicht werden kann.

 

Urbane Zentren sind zugleich DIE Orte, an denen unterschiedliche Kulturen, Interessen und Begabungen aufeinander treffen. Die Beachtung der sozialen Kohäsion als Ausdruck des gesellschaftlichen Gleichgewichts gewinnt dabei wieder an Bedeutung, da wir zunehmend destabilisierende Entwicklungen in den Metropolregionen Europas erleben. Mit klaren und zugleich ausgewogenen Konzepten müssen wir diesen Tendenzen in den Metropolen der Zukunft entgegenwirken.

 

Es liegt daher an uns selbst, die zukünftige Entwicklung der urbanen Regionen in Europa und vor allem Wiens zu gestalten. Zugleich werden wir jedoch in Zukunft eine zunehmende Vernetzung mit den Metropolregionen in unserer Nachbarschaft benötigen. Dabei müssen wir uns insbesondere auf Prag, Bratislava und Budapest fokussieren, in einem zweiten Schritt aber auch bis in die Regionen Norditaliens schauen.

 

Überall dort, wo es gut gebildete und ausgebildete Arbeitskräfte gibt, eine hochmoderne Infrastruktur, hohe Lebensqualität sowie soziale Sicherheit gewährleistet sind, bleiben Wirtschaft und Industrie nachhaltig als Kristallisations- und Knotenpunkte bestehen. Dabei ist eine Stadt ohne eigene Produktionskapazitäten nicht lebensfähig. So ist es beispielsweise der Dienstleistungssektor, der seine hochwertigsten Leistungen vor allem in der Industrie erbringt. Es ist die Industrie, die diese Leistungen nachfragt. Es handelt sich also stets um ein Wechselspiel, in dem einer auf den anderen angewiesen ist - auch und vor allem in den Metropolen der Zukunft. Als Industrie werden wir uns weiter für eine erfolgreiche Entwicklung Wiens stark machen, denn es sind die Metropolen, in denen in Zukunft die wesentlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Weichenstellungen stattfinden werden.


[ IV Wien ]
Fotos



Downloads