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[ 29.04.2010 ]
Gleichstellung: ein klares JA!"Der Nationale Aktionsplan für Gleichstellung ist ein Themenfeld, in dem von den Beteiligten versucht wird, inhaltliche Differenzen in weitgehend sachlicher Diskussion zu überbrücken", meint IV-Wien-Präsident Georg Kapsch in seinem aktuellen Leitartikel.Konstruktive und konsensuale Lösungen sind in jüngster Zeit in Österreich selten geworden. Umso bemerkenswerter ist es, dass es doch noch Themenfelder gibt, in denen sich mehrere Interessensgruppen gemeinsam mit der Bundesregierung über einen längeren Zeitraum intensiv und nachhaltig um gemeinsame Ergebnisse bemühen. Der Nationale Aktionsplan (NAP) für Gleichstellung von Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek ist ein solches Feld, in dem von den Beteiligten versucht wird, inhaltliche Differenzen in weitgehend sachlicher Diskussion zu überbrücken. Bereits dies ist ja erfreulich.
Bei den im Rahmen des NAP vorgeschlagenen Maßnahmen gibt es nun auf der einen Seite Vieles, bei dem Sozialpartner, Industrie und Frauenministerium am gleichen Strang ziehen: Ein Großteil der Maßnahmen steht außer Streit, und wir sollten sie ehestmöglich umsetzen. Dazu zählen insbesondere die Förderung der atypischen Ausbildungs- und Berufswahl durch professionelle Bildungs-, Berufs- und Karriereberatung, mehr und bessere Kinderbetreuungseinrichtungen, die Forcierung der partnerschaftlichen Aufteilung von Betreuungspflichten und Anstrengungen für Frauen in Führungspositionen durch Führungskräfteprogramme und Netzwerke für weibliche Führungskräfte. Die Arbeitgeberseite ist mit dem Führungskräfteprogramm „Zukunft.Frauen" aktiv daran (www.zukunft-frauen.at) beteiligt. Insgesamt ist dieses gemeinsame Programm auf Basis des NAP bereits jetzt ein Erfolg.
Und - um dies gleich außer Frage zu stellen - es gibt von uns selbstverständlich ein klares „Ja" zum Ziel der ökonomischen Gleichstellung von Frauen und Männern. Neben dem Gerechtigkeitsargument wäre es aus wirtschaftspolitischer Sicht kurzsichtig, das ökonomische Potenzial qualifizierter Frauen ungenutzt zu lassen. Die ökonomische Gleichstellung von Frauen und Männern muss in realiter das Ziel verfolgen, dass Frauen und Männer die gleichen Möglichkeiten im Bezug auf Beruf, Karriere und Bezahlung haben.
Auf der anderen Seite gibt es natürlich Punkte im NAP, die wir in der vorgeschlagenen Form nicht mittragen und bei denen wir auch Alternativen sehen, wie die verpflichtende Offenlegung der Gehälter sowie die verpflichtende Einführung von Frauenquoten. Hier ist Freiwilligkeit statt Regulierung und Zwang das Gebot. Denn erstens sind Quoten ein Widerspruch zu unternehmerischer Freiheit und zweitens wollen viele Frauen sie selbst nicht. Drittens hat das norwegische Beispiel mit verpflichtender 40-%-Quote in Aufsichtsräten dazu geführt, dass manche Frauen in der Folge in zehn oder noch mehr Aufsichtsräten sitzen. Das kann ja nicht im Sinne des Erfinders sein.Genauso wie wir in der Migrationsfrage gegen Quoten auftreten, tun wir dies auch hier. Der grundsätzliche Zugang der Industrie gilt auch hier: Bevor neue Gesetze geschaffen werden, sollen jene gelebt werden, die es in großer Zahl bereits gibt.
Wir plädieren daher im Sinne der Sachlichkeit für die Schaffung von Rahmenbedingungen sowie umfassende und nachhaltige Bewusstseinsbildung, bevor unsere Unternehmen durch weitere Regulierung und Gesetze belastet werden. Stichwort „Rahmenbedingungen": Eines unserer größten Anliegen in der Debatte ist der Ausbau und die Optimierung der Kinderbetreuung, vor allem für Kleinkinder. Dies wäre ein wesentlicher Schritt dazu, Eltern die Chance zu geben, Beruf und Familie zu vereinbaren und die Gleichstellung zu fördern. Außerdem sind ausreichende Kinderbetreuungsplätze eine Grundvoraussetzung für die dringend erforderliche weitere Steigerung der Anzahl von Frauen in Führungspositionen.
Ähnliches gilt für die Einkommenstransparenz. Maßnahmen, die eine interne Neiddebatte und massiven bürokratischen Aufwand provozieren könnten, sind zweifellos nicht sinnvoll. Die durch die Offenlegung der Gehälter erwirkte Transparenz würde zu einem Flächenbrand, und zwar nicht zwischen Frauen und Männern, sondern zu einer Situation „jeder gegen jeden" führen, da einzig die Frage im Mittelpunkt stünde: „Weshalb liege gerade ich über oder unter dem Durchschnittt?", ohne die Situation spezifisch mitzuberücksichtigen. Vielmehr braucht es Lösungen, die an der Wurzel des Problems ansetzen und den beschämenden Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen in Österreich reduzieren. Es ist schon einiges zur Verbesserung der Chancengleichheit passiert, wie etwa das neue einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld, das Tempo kann hier sicher noch gesteigert werden. Insgesamt wollen wir auf Motivation setzen und damit müssen wir heute beginnen. Dass wir einige Herausforderungen vor uns haben, ist klar und auch, dass wir etwas tun müssen. Aber ich bin zuversichtlich. Unternehmen sind gewohnt, sich Ziele zu setzen, und motiviert, diese auch zu erreichen. [ IV Wien ]
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