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[ 08.03.2010 ]

Unsere Jugend stärker für Technik begeistern

"Das Finden von qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist und bleibt für viele Branchen am Industriestandort Wien eine der größten Herausforderungen", stellt IV-Wien-Präsident Kapsch in seinem aktuellen Leitartikel fest.

Zwar ist im Innovationsbereich insgesamt einiges geschehen, wir müssen aber als weiteres zentrales Element einer langfristig erfolgreichen Strategie insbesondere auch die Förderung des wissenschaftlich-technischen Nachwuchses stärker in den Fokus rücken. Denn die von der Industrie seit längerem aufgezeigten Engpässe bei hoch qualifiziertem Personal in diesem Bereich konnten bisher - selbst im Zuge der aktuellen wirtschaftlichen Lage - nicht entschärft werden.

 

In Österreich wissen wir aus Unternehmensbefragungen, dass die Industrie bereits vor der Krise mit einem dramatischen Mangel an Diplomingenieurinnen und -ingenieuren zu kämpfen hatte. Zugleich zeigen die Prognosen, dass sich langfristig an der steigenden Qualifikationsnachfrage insbesondere im Bereich F&E nichts ändern dürfte. Die Lücken bei der Deckung des Fachkräftebedarfs in Österreich sind teilweise enorm: So haben 42 % der Industrieunternehmen derzeit trotz der Krise Schwierigkeiten, genügend Fachkräfte im Bereich Technik & Produktion zu finden, 54 % der Betriebe wiederum finden nicht ausreichend qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den F&E-Bereich. Rund 40 % der Unternehmen erwarten, dass der Bedarf an Beschäftigten dieser beiden Gruppen innerhalb der nächsten drei Jahre sogar noch weiter ansteigen wird.

 

Dieser Zustand ist unhaltbar. Der grenzüberschreitende, globale Wettstreit um die besten Köpfe und Hände läuft und wird durch den steigenden Wettbewerb verschärft, der gerade zwischen forschungsintensiven Unternehmen sowie zwischen den verschiedenen Universitäten und Forschungseinrichtungen stattfindet. Wir brauchen eine optimale Nachwuchssicherung von „innen", und zwar durch die Bildung und Ausbildung einer ausreichenden Zahl an hoch qualifizierten Absolventinnen und Absolventen. Gleichzeitig muss Österreich und insbesondere Wien seine Attraktivität aber auch nach „außen" für internationale Spitzenkräfte weiter ausbauen, um im Wettbewerb um die größten Talente bestehen zu können.

 

Die Wiener Industrie leistet hier ihren Beitrag und setzt verschiedene konkrete Maßnahmen, um technische Fertigkeiten und Begeisterung für Naturwissenschaften schon im Schulalter zu fördern. Denn nur wenn wir möglichst früh - am besten schon im Volksschulalter - mit der Bewusstseinsarbeit ansetzen, können wir auch erfolgreich sein.

 

Eines der Projekte, das wir gemeinsam mit Partnern unterstützen, ist das Programm „Leonardino", der erste Technik-Preis für Kinder, der zum Ziel hat, das technische Interesse - insbesondere von Mädchen - zu fördern und Bewusstsein für dieses Thema in der breiten Öffentlichkeit zu schaffen. Dazu sollen unter anderem alle Wiener Volksschulen mit technischen Experimentierkästen ausgestattet werden. Gleichzeitig begleiten wir die Projekte „Frauen in der Technik" und den „amaZone"-Award zur Förderung der Lehrausbildung von Mädchen und Frauen in handwerklichen und technischen Berufen. Auch das Projekt „Der Rollende Physikkoffer" wird von der IV Wien gefördert. Dabei sollen vor allem wissenschafts- und bildungsfernen Jugendlichen sowie jungen Menschen mit Migrationshintergrund die Naturwissenschaften nähergebracht werden.

 

Die IV Wien ist ferner Partner beim International Young Physicists' Tournament (IYPT) 2010, der Mannschaftsweltmeisterschaft der Physik, zu der sich alljährlich 150 bis 200 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe der Höheren Schulen zusammenfinden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Meisterschaft kommen heuer weltweit aus 30 verschiedenen Staaten.

Ein wichtiges Projekt, das von Wiener Unternehmen und der Wiener IV derzeit mitentwickelt wird, ist die sogenannte Wissensfabrik. Die Wissensfabrik verfolgt einen breiten Ansatz und hat zum Ziel, den Kindern nicht nur technische und naturwissenschaftliche Themen bereits im Volksschulalter näher zu bringen, sondern auch unternehmerisches Denken möglichst früh zu fördern. Dazu soll den Schulen kostenloses Unterrichtsmaterial zur Verfügung gestellt werden und zugleich der Ansatz verfolgt werden, die unterschiedlichen Aktivitäten auf diesem Gebiet, vor allem von Seiten der Wirtschaft, gemeinsam besser zu koordinieren und noch effizienter aufeinander abzustimmen. Darüber hinaus ist die IV Wien einer der Hauptunterstützer der jährlichen Lectures-Reihe der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zum Thema Naturwissenschaften. Zentrales Element der Vortragsreihe sind Diskussionsveranstaltungen internationaler Top-Wissenschaftler mit Schülerinnen und Schülern.

 

Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen. Kreativität und kritisches Denken sollen gefördert und die Begeisterung der Kinder und Jugendlichen für Technik und Naturwissenschaften gesteigert werden. Die Grundlagen für technische Kompetenzen werden dabei schon im Kindergarten und  in der Volksschule geweckt. Hier sollte unser Fokus auch noch stärker als bisher auf den Mädchen und jungen Frauen liegen. Denn top-ausgebildete Fachkräfte in den Bereichen Technik und Naturwissenschaften sind eine Grundvoraussetzung für unseren weiteren Erfolg als Wissens-, Industrie- und Arbeitsstandort.


[ IV Wien ]

Mag. Georg Kapsch, Präsident der IV Wien
Mag. Georg Kapsch, Präsident der IV Wien




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