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[ 02.11.2009 ]
Integriertes Gesundheitssystem als StandortfaktorWenn es um die Gesundheitsversorgung geht, braucht Österreich den Vergleich mit anderen Staaten im Allgemeinen nicht zu scheuen. Dennoch gibt es auch in Österreich – vor allem im Bereich der Länder – viel Reformbedarf, meint IV-Wien-Präsident Georg Kapsch im aktuellen Leitartikel.Um Missverständnisse zu vermeiden: Von den erreichten Gesundheitsstandards sollte trotz der finanziellen Probleme der öffentlichen Haushalte und der Krankenkassen nicht abgegangen werden. Eine Verschlechterung der Gesundheitsversorgung führt mittelfristig zu mehr Krankenständen, krankheitsbedingten Frühpensionen und schlechterer Arbeitsleistung und ist damit nicht nur eine humanitär nicht vertretbare Maßnahme, sondern auch eine Belastung für die Wirtschaft. Die bestmögliche öffentliche Gesundheitsversorgung für alle ist daher nicht nur ethisch unverzichtbar, sondern auch eine Investition in den Wirtschaftsstandort.
Dies bedeutet aber keineswegs, dass deshalb Reform- und Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen unnötig sind - ganz im Gegenteil. Internationale Studien und Experten kommen zu dem Schluss, dass Österreich über zu viele Akutbetten in den Spitälern verfügt. Diese enorm hohe Spitalslastigkeit ist unnötig teuer. Im niedergelassenen Bereich, sprich Kassenbereich, gibt es ebenfalls einen weiten Spielraum für Effizienzsteigerungen.
Derzeit fließen die finanziellen Mittel für das Gesundheitssystem - inklusive Privatausgaben in Summe 27 Mrd. € - in zu viele verschiedene Töpfe und führen so zu intransparenten und ineffizienten Verschiebungen insbesondere zwischen dem intramuralen (Spitäler) und extramuralen (niedergelassene Ärztinnen und Ärzte) Bereich und letztlich insgesamt zu erheblichen Reibungsverlusten im System „Gesundheitsversorgung". Aber auch auf Patientenseite führen diese Parallelsysteme - sowohl in der Finanzierung (Sozialversicherungsträger versus öffentliche Hand) als auch in der medizinischen Betreuung (niedergelassener Bereich versus Spitalssektor) häufig zu unerwünschtem Verhalten, wie etwa dem Einholen von unnötigen Doppelbefundungen, was wiederum unnötige Mehrkosten und Qualitätsverluste bedeutet. Zentral ist deshalb ein Konzept der Finanzierung, Planung und Steuerung aller angebotenen Leistungen (Prävention, Kuration, Rehabilitation, Pflege und Palliativbehandlung) aus einer Hand. Dies soll höchstmögliche Qualität und eine patientenorientierte Versorgung sicherstellen sowie bisher vernachlässigte Bereiche, wie etwa die Prävention, verbessern.
Wien verfügt als Bundeshauptstadt über ein hoch entwickeltes und tief strukturiertes Gesundheitssystem. In den vergangenen rund 20 Jahren wurde die Wiener Spitalsreform mit dem Gesundheits- und Krankenanstaltenplan 1990 und der Einrichtung des Verbundes der Wiener städtischen Krankenanstalten und Pflegeheime umgesetzt. Aber es gibt in Zusammenarbeit mit dem Bund noch Verbesserungspotenzial. Die im Regierungsprogramm enthaltenen Modellregionen für integrierte Versorgung sollen länderübergreifende medizinische Versorgungsmodelle und gesamthafte Steuerung ermöglichen: Das würde die Leistungserbringung effizienter steuern und auch die Qualität der Behandlung für die Patienten verbessern. Die derzeitige starke Fragmentierung im Gesundheitswesen könnte damit reduziert werden. Darüber hinaus müssen wir aber weitere Schritte konsequent setzen: Vor allem geht es dabei um den verstärkten Einsatz von moderner Medizintechnik und eine höhere Kundenfreundlichkeit (Stichwort forcierter Einsatz von E-Health).
Nur wenn das Gesundheitssystem über alle Bereiche hinweg integriert wird und Doppelgleisigkeiten verhindert werden, kann ein Abbau bei den Gesundheitsleistungen langfristig verhindert werden. Wir brauchen jetzt Visionen und vor allem nachhaltige und zielgerichtete Maßnahmen für den Zukunftsbereich Gesundheit. Das Effizienzpotenzial wäre grundsätzlich vorhanden - man muss es nur heben. [ IV Wien ]
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