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[ 27.04.2009 ]
Der Ruf nach Regulierung"Liest man Zeitungen und hört man in weite Teile der Bevölkerung, könnte man glauben, dass der neue Klassenkampf ausgebrochen ist, den fast alle als endgültig überholt wähnten", so der IV-Wien-Präsident in seinem aktuellen Editorial in den iv.positionen.Natürlich ist es leicht, mit Polarisierung - wobei hier einmal nicht Polarisierung zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund angesprochen ist, sondern zwischen den sogenannten „Reichen" und den „Armen" - von den wirklichen Kernthemen, die uns alle beschäftigen sollten und werden, abzulenken. Neben völlig unsinnigen Forderungen, wie der nach Einführung einer Vermögenssteuer, gibt es allerdings durchaus überlegenswerte Forderungen nach Transaktions- und Spekulationssteuern, aller-dings nur dann, wenn mit der Einführung solcher Steuern die sonstige Abgabenquote, die den Faktor Arbeit und damit die Haushaltseinkommen stark belastet, reduziert wird.
Wer hat diese Diskussion aber provoziert? Es waren vergleichsweise wenige, die nicht genug bekommen konnten. Der Egoismus einiger Akteure hat eine veritable Wirtschafts-, Vertrauens- und Sozialkrise verursacht und damit noch dazu das Image einer ganzen Berufsgruppe in Mitleidenschaft gezogen. Dies gilt sowohl für Eigentümer-Unternehmer als auch für Manager. Diese Gruppe von Menschen hat die wohl zu große Freiheit der Kapitalmärkte wider deren Grundgedanken zum eigenen Vorteil über die Maßen ausgenützt. Das Frappierende daran ist allerdings, dass ein Gutteil des Finanzsektors weltweit dabei mitgespielt hat, Mitläufer war oder dieser Entwicklung zum Opfer gefallen ist. Immer höhere Renditen wurden versprochen und damit auch gefordert, die die Realwirtschaft einfach nachhaltig nicht bringen kann. So entstanden Finanzprodukte, die allesamt nicht wie „reale Produkte" Qualitätskriterien (wie CE-Kennzeichnung oder ISO-Zertifizierung etc.) unterlagen. Das Spekulationsmoment wurde zur bestimmenden Kraft. Investoren, Finanzinstitutionen und Rating-Agenturen beflügelten einander unkontrolliert im Kreieren einer Blase, in deren Zuge kreditfinanzierte aufgewertete Buchwerte als Dividenden ausgeschüttet und an deren Ende Verluste sozialisiert wurden und werden. Völlig übersehen wurde, dass neue Märkte neuer Spielregeln bedürfen.
Das Naheliegendste ist jetzt eben der Ruf nach Regulierung und Kontrolle. Da unsere Welt aber schon mehr als reguliert, ja in Wahrheit reglementiert ist, stellt sich die Frage, wer und was soll wie und von wem neu reguliert werden?
Noch mehr Regulierung bedeutet wesentlich höheren Aufwand, eine niedrigere Produktivität und schlicht wieder neue Schliche, diese zu umgehen. Kontrolle greift immer, wenn die Dinge bereits geschehen sind, hilft also in der Prävention wenig.
Ich denke daher, dass es weniger, aber klarer Regeln und vor allem Qualitätskriterien für den Finanzsektor bedarf, wie es sie seit Jahrzehnten für die Industrie und deren Produkte gibt. Rating-Agenturen sollten nicht gewinnorientiert sein und wären sinnvollerweise einer supranationalen Governmental Organization anzugliedern.
Die wahre und aus meiner Sicht einzige wirkungsvolle und nachhaltige Regulierung liegt in der Besteuerung jeder Art der Spekulation und jeder Art von Finanzgeschäften, denen keine Warengeschäfte zugrunde liegen. Die Besteuerung muss so gewählt sein, dass sie Spekulationen uninteressant macht. Hier wird wahrscheinlich das Argument der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit des Hedgings ins Treffen geführt werden. Gegenfrage: Wo ist die Grenze? Auf fallende Aktienkurse zu setzen wohl kaum!
Dies alles mag altmodisch klingen, ist jedoch nicht konservativ. Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und ein Vermeiden des Wiedererstarkens des Klassenkampfes ist nur dann möglich, wenn wieder der Mensch und die nachhaltige Unternehmensführung, nicht aber die kurzfristige Gewinn- und Einkommensmaximierung im Mittelpunkt des unternehmerischen Denkens und Handelns stehen. Die Regulierung beginnt in der Selbstbeschränkung. [ IV Wien ]
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