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[ 27.01.2009 ]

Kapsch: "Mit Optimismus und Investitionen werden wir die Krise überwinden"

IV-Wien-Präsident Mag. Georg Kapsch fordert in seinem aktuellen Editorial in den "iv.positionen" alle auf, gemeinsam daran zu arbeiten, so rasch wie möglich aus dieser Krise zu kommen

Das Schreckgespenst „1929" an die Wand zu malen, entbehrt jeder Grundlage und ist auch in keiner Weise hilfreich, die schwierige Zeit zu überwinden. 1929 reduzierte sich die Wirtschaftsleistung der USA von einem Jahr auf das andere um etwa 25 %, wogegen wir derzeit von niedrigen einstelligen Prozentsätzen, ja teilweise sogar von 0,x % Reduktion sprechen. Es ist sicherlich kein Grund zu frohlocken, aber genauso wenig ist es notwendig, in tiefe Depression zu verfallen.

 

Natürlich steht Österreich und damit Wien, wo im Übrigen das Weihnachtsgeschäft sehr gut gelaufen ist, vor großen Herausforderungen, die die globale Finanzkrise mit sich bringt, da diese naturgemäß auf die Realwirtschaft durchzuschlagen begonnen hat, obgleich die meisten Sektoren der Realwirtschaft in unserem  Land - und dies ist die gute Nachricht - keine strukturellen Probleme haben.

 

Mit einem Einbrechen der Konjunktur sind natürlich auch Konsequenzen für den Arbeitsplatz verbunden. Die Prognosen für den Wiener Arbeitsmarkt sehen für 2009 und 2010 ein relativ deutliches Ansteigen der Arbeitslosigkeit vor. Ab März/April ist demnach mit einem stärkeren Anstieg zu rechnen, der ohne die Konjunkturmaßnahmen des Bundes und der Stadt noch stärker ausfallen würde. Die angedachten Maßnahmen können zu einer Reduktion von bis zu 3.000 Arbeitslosen führen. Dabei sollte allerdings nicht übersehen werden, dass die Arbeitslosigkeit in den Jahren 2004-2008 in Wien massiv reduziert werden konnte. Derzeit haben viele Betriebe - insbesondere in der Automobil- und Automobil-Zulieferbranche - Teile ihrer Belegschaft in Kurzarbeit.

 

Berücksichtigen wir aber, dass der Rückgang bei uns von einem insgesamt außerordentlich hohen Niveau erfolgt. Wir als Industriellenvereinigung haben wie keine andere Institution laufend insistiert, dass wir auf konjunkturell schwierigere Zeiten zugehen. Durch die Finanzmarktkrise ist aus einem normalen konjunkturellen Bremsmanöver eine Vollbremsung geworden. Der Großteil der österreichischen Unternehmen ist grundsätzlich von seinem Geschäftsmodell her „robust aufgestellt", auch die Bilanzrela­tionen sind in den meisten Fällen nach Jahren guter Konjunktur „gesund". Dies gilt auch - mit Ausnahmen - für Wien, dazu wirkt sich die Nähe zu unseren mitteleuropäischen Nachbarn positiv aus. Diese werden zwar die Krise auch stark spüren, aber es wird dort zu keiner Rezession kommen. Was die Funktion Wiens als Osteuropa-Drehscheibe betrifft, so hat die Stadt nach wie vor gute Voraussetzungen. Gerät der Mutterkonzern eines weltweit agierenden Unternehmens mit CEE-Headquarter in unserer Stadt aber in Schwierigkeiten, wird sich das natürlich auch auf die Wiener Zentrale auswirken.

 

Dazu kommt weiters, dass die Lage auf den Finanzmärkten in den letzten Wochen zumindest erste Anzeichen einer Stabilisierung zeigte. Realwirtschaftlich sollte es ab dem 3. Quartal 2009 wieder aufwärts gehen - zu diesem Zeitpunkt wirkt gleich ein ganzes Bündel von Faktoren, darunter die Konjunkturpakete von Stadt und Bund, positiv auf die heimische Konjunktur.

 

Meine Kernbotschaft ist daher: Jetzt geht es darum, gemeinsam daran zu arbeiten, so rasch wie möglich aus dieser Krise zu kommen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind angehalten, branchenspezifisch und einzelbetrieblich passende Lösungen zu finden, die den Standort und damit die Betriebe und den Arbeitsmarkt gleichermaßen stärken. Was wir dafür brauchen, sind nachhaltige und zielgerichtete Investitionen in Zukunftsbereiche. Das heißt vor allem Bildung, Forschung und Infrastruktur. Es geht um Investitionen mit Hebelwirkung. Vor allem dem Bereich Bildung muss gerade jetzt besonderes Augenmerk geschenkt werden - Investitionen in diesem Bereich sind Investitionen in die Zukunft. Mittelfristig muss es gelingen, durch effizientere Strukturen auch  in der Bildungsbürokratie Mittel für die notwendigen Qualitätsverbesserungen - vor allem an den Wiener Hauptschulen - freizumachen.

 

Stichwort „Qualitätsverbesserung" - eine solche brauchen wir auch im Mindset. Denn, so abgedroschen es auch klingen mag: Wirtschaft ist sehr viel Psychologie. Was jeder von uns zur Überwindung der aktuellen Herausforderung beisteuern kann - und muss -, ist daher eine ordentliche Portion Optimismus. Mit dem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, in die bereits vielfach gezeigte eigene Stärke, werden wir die Krise bewältigen. Ich habe keinen Zweifel, dass wir mit den richtigen Maßnahmen UND der richtigen Einstellung die Lage meistern werden, denn wie Franklin Delano Roosevelt 1933 trefflich sagte: „Wir haben nichts zu fürchten außer die Angst."


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