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[ 03.11.2008 ]

Kompetenz durch Kompetenz

IV-Wien-Präsident Albert Hochleitner zieht in seinem aktuellen Leitartikel in den "iv.positionen" Bilanz über sechs Jahre Präsidentschaft.

Als ich vor rund sechs Jahren die Leitung der Wiener IV-Landesgruppe übernommen habe, war mir rasch einiges klar: 

  • Die Landesgruppe ist Bestandteil des „Konzerns Industriellenvereinigung". Sie kann dort eigenes Profil sowie eine eigene „Marke" entwickeln, wo eine besondere Betroffenheit der Region gegeben ist. Dies aber auch nur dann, wenn dieses Profil in die Strategie des „Konzerns IV" passt. 
  • Zweitens muss eine Landesgruppe personell und ressourcenmäßig klein gehalten werden. Nur dann - und das wissen wir alle aus unseren eigenen Unternehmen - gelingt eine entsprechende Fokussierung. 
  • Eine Konzentration auf Kernkompetenzen war die dritte strategische Entscheidung, die wir vor sechs Jahren gefällt haben: Die Landesgruppe kann und wird nur dann als Gesprächspartner auch von der Politik anerkannt, wenn sie nicht nur Ideen hat und Vorschläge macht, sondern mit diesen Ideen und Vorschlägen auch Kompetenz und entsprechendes Wissen einbringt. 
  • Der vierte Punkt unserer strategischen Entscheidung war, dass die Landesgruppe primär nur solche Projekte verfolgen soll, die direkt oder indirekt in den Entscheidungsspielraum der Bundeshauptstadt oder des Landes Wien fallen. Dass Stadt und Bundesland in Wien eine Einheit bilden, ist bei allen Schwierigkeiten, die der Föderalismus sonst mit sich bringen kann, für die Arbeit auf Landesebene ein Vorteil. 

Daraus abgeleitet hat sich der Rest eigentlich ganz logisch ergeben: 

  • In der Infrastruktur in der Ostregion ist ein enormer Nachholbedarf gegeben. Die Slowakei mit „chinesischen Wachstumsraten" (zumindest bis zur gegenwärtigen Finanzkrise) und Bratislava mit fast 500.000 Einwohnern - all dies verlangt nach einer gemeinsamen Entwicklungsstrategie. Daher: Twin City Wien - Bratislava. 
  • Der Lückenschluss bei der A4 geschah spät, aber doch. 
  • Bahn und Bus haben ein dichtes Netz von Verbindungen zwischen den beiden Städten - zusätzlich zum großen Erfolg des „Twin City-Liners" auf der Donau - entwickelt. 
  • Trotzdem ist die Situation noch weit von einem Idealzustand entfernt.Die S7 wartet weiter auf die Verlängerung von Wolfsthal nach Bratislava. Die Götzendorfer Spange ist zwar im Ausbauplan enthalten, aber weit hinten, und der Marchegger Ast ist weder elektrifiziert noch zweigleisig ausgebaut. Die Nordautobahn wird früher fertig, als der Außenring der S1 um Wien geschlossen sein wird. Eine Entwicklung, die nicht nur für die Bewohner der Brigittenau möglicherweise einiges bedeuten kann. 
  • Wien ist ein Zentrum für die Wirtschaft in Mittel- und Osteuropa geworden. Diese Rolle können wir in Zukunft aber nur dann beibehalten, wenn wir die Erreichbarkeit sicherstellen. Erreichbarkeit ohne Infrastruktur ist aber unmöglich. 
  • Das „Logistikzentrum" und die „Verlängerung der Breitspur in den Twin City-Raum" ist ein sich logisch aus der Geografie - diese Region ist der Kreuzungspunkt  europäischer Verkehrsachsen und verfügt mit der Donau über eine „grüne" Logistikachse vom Schwarzen Meer bis nach Holland und Frankreich - ergebendes Projekt. Es ist auch Voraussetzung dafür, dass unsere Region von dem mit Sicherheit weiter steigenden Warenaustausch profitieren kann. 
  • Der zweite große Bereich, der sich geradezu zwingend für die Landesgruppe als Fokus der Tätigkeit anbot, ist „Wissenschaft, Technik und Forschung". Wien ist eine der großen Hochschulstädte Europas. Die „Forschungsstadt Wien" ist eines der strategischen Ziele der Stadtregierung und Forschung ist die Umwandlung von Geld in Wissen. Der zweite Schritt ist dann die Innovation - die Umwandlung von Wissen wieder in Geld (durch Beschäftigung und neue Produkte). Die Wiener Landesgruppe hat sich daher richtigerweise auf diesem Gebiet besonders engagiert (unter anderem im Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds aber auch in der Organisation der Alpbacher Technologiegespräche). 
  • Ein dritter großer Schwerpunkt der Landesgruppe, der, da die Aufbereitung des Grundlagenmaterials derzeit in Arbeit ist, noch stärker in die Zukunft gerichtet ist, ist der Bereich „Gesundheit/Medizin". Wien verfügt als Bundeshauptstadt über ein hoch entwickeltes und tief strukturiertes Gesundheitssystem. Ich hoffe sehr, dass die Landesgruppe in Zukunft einen Beitrag dazu leisten kann, wie durch einen verstärkten Einsatz von Technik (z. B. e-card) die zeitlichen Möglichkeiten des einzelnen Mediziners, sich dem Patienten mit noch mehr Zuwendung zu widmen, vergrößert werden können und wie durch die Vernetzung innerhalb des Gesundheitssystems auch ein nicht unwichtiger Beitrag zur Rationalisierung und Kostensenkung geleistet werden kann. 

Ich bin zuversichtlich, dass es mir mit dem Team der Landesgruppe gelungen ist, zu zeigen, wie sich eine regionale Organisation positiv in das Gesamtnetzwerk einbringen kann. Die Statuten sehen vor, dass nun - am 1. Dezember - ein neuer Vorstand ein neues Präsidium wählen wird. Es werden sicher neue und andere Schwerpunkte hinzukommen. Eines wird aber unverändert weiter gelten: Kompetenz hat man nur, wenn man sich die Kompetenz erarbeitet hat.  

 

Mein besonderer Dank gilt Ihnen, den Mitgliedern der Industriellenvereinigung. Sie haben unsere Arbeit möglich gemacht und Ihre Anregungen waren für uns immer Herausforderung.


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